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wake up kids. we’ve got the dreamer’s disease.

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// Marla und wie sie die Welt sieht:
Über das Leben als Bloggerin und Influencerin.

Habt ihr euch auch schon mal gefragt, wie so ein Tag im Leben einer bedeutenden Bloggerin und Influencerin wie moi aussieht? Dann ist heute euer Glückstag, denn ich plaudere exklusiv aus dem Nähkästchen!

Influencerin

Nachdem ich mich aus meinem Bett, gesponsert von einem Matratzen Start-Up, gequält habe, checke ich die neusten Followerzahlen und Likes auf meinen Accounts. Ein Fleck auf der Bettwäsche aus ägyptischer Baumwolle erregt mein Missfallen. Hat da wieder eine meiner Rassekatzen aufs Bett gekotzt? Die Katzen halte ich hauptsächlich, um die Klickzahlen meines Instagram-Accounts nach oben zu treiben. Besser wäre eigentlich nur noch ein Vizla- oder Weimaranerwelpe, aber die waren beim Züchter gerade aus und selbst ich als Influencerin konnte da mit meinem Einfluss nichts machen.

#eatyourgreens #healthychoices #fitforfun

Influencerin

Einen Kale-Spinat-Avocado-Matcha-Smoothie später bin ich bereit für die erste Herausforderung meines Tages: Den perfekten Influencer-Body erarbeite ich mir täglich mit einem knochenharten 3-stündigen Training, das ursprünglich für eine Spezialeinheit an Elitesoldaten der israelischen Armee entwickelt wurde. Dafür kann man auf meinem Sixpack Käse reiben. Der Sport ist die eine Hälfte meines Erfolgsgeheimnies. Das allerwichtigste ist aber einfach nichts zu essen. Kennt ihr all die Fotos von mir, in denen ich Burger, Eiscreme und Macarons in mich reinschaufle? Alles Fake! Mein Manager erlaubt mir manchmal eine Pommes Frites kurz abzulecken. Danach werde ich vor Freude und köstlichem Fettgeschmack kurz ohnmächtig.

Das Auftragen meines Bloggerface ist eine große Herausforderung, schließlich muss das Make-Up selbst in hochgestochener HD-Auflösung perfekt aussehen, den ganzen Tag ohne Kleben und Schmelzen halten und mir den gewissen Influencer-Glow verschaffen. Ich klimpere begeistert mit meinen Wimpernextensions aus Nerz, als mein Make-Up Artist eintrudelt. Nach Gesichtsmassage, Dextox- und Feuchtigkeitsmaske von La Mer und einem leichten chemischen Peeling, bin ich bereit für das Contouring. Von Kim K habe ich gelernt: Gut konturiert überlebt man auch endlose Jahre als Star einer Reality-Sendung, in der vermutlich nicht einmal das Toilettenwasser echt ist. Nachdem wir ungefähr ein halbes Kilo Make-Up, Puder, Primer, Rouge, Wimperntusche, Lippenstift, Highlighter und Bronzer (selbstverständlich alles High-End Produkte von Dior, Chanel und MAC) in meinem Gesicht zu einem einheitlichen Brei vermatscht habe, geht es an die Outfitplanung. Ein eigens dafür programmierter Algorithmus durchforstet meinen digitalisierten Kleiderschrank und stellt das optimale Outfit in Einbeziehung von populären Instagram-Hashtags, Wetterlage, Sponsorenverträgen und Mondkalender zusammen. Die Jahreszeit ist vollkommen unerheblich für die Outfitplanung, da ich es vermeide mit frischer Luft in Kontakt zu kommen. Die Wahl heute fällt auf einen winzigen bauchfreien Pullover, zerfetzte und bestickte Mom Jeans, einen Moschino-Gürtel, Netzstrümpfe und Plateaustiefeletten.

#foodbeast #iheartburger #yummy

Influencerin-Kolumne

Zeit an die Arbeit zu gehen: Lunchdate mit einer Influencerin meiner Wahl, die mindestens so viele Follower wie ich (gerne mehr) aufweisen muss. Wir treffen uns irgendwo, wo es hip, teuer und gut ausgeleuchtet ist und bestellen fotogene Lunchgerichte (Burger, Süßkartoffelpommes, Buddha Bowl, hausgemachte Limonade) die wir höchst professionell eine halbe Stunde knipsen und mit diversen Filtern bearbeiten. Das Essen rühren wir nicht an und knabbern stattdessen an mit Orangensaft vollgesaugten Wattebällchen. Währendessen tauschen wir unsere Zugriffszahlen aus und vergleichen, wer die besseren Kooperationsangebote in letzter Zeit bekommen hat. Danach hacken wir schweigend auf unseren Smartphones herum, wo wir „Hübsche“, „Schönste“ und Kusssmileys unter tausende von Fotos kommentieren.

#girlboss #workworkwork #workinggirl

Für den Nachmittag steht ein Shooting für die neue Imagekampagne eines großen deutschen Wurstherstellers an. Zusammen mit drei anderen Influencern hüpfe ich auf einer grünen Wiese, umringt von Babyküken, kleinen Ferkelchen und und Schäfchen und tue so, als ob ich ich das vegane Fleischersatzprodukt des Herstellers tatsächlich essen würde. Zwischendurch ein Snap mit einem kleinen Lamm auf dem Arm, ein paar Stories hier, einige Fotos da und puff, Zeit sich für das große Abendevent zu stylen.

#truelove #mylove #lovers

Influencerin

Mein Visagist konturiert schnell mein Gesicht nach und pinselt noch ein paar Schichten drauf, damit heute Abend im Blitzlicht nichts bröckelt. Dann trudelt endlich mein Instagram Husband Maik ein. Mein Manager hat diese Partnerschaft eingefädelt, die strategisch sehr gut für mich war. Ich habe in Maik jemanden, der mich bei wichtigen Events gut in Szene setzt, fotografiert, stundenlang unbeachtet herumsteht und dabei hervorragend aussieht und mit dem ich romantischen Content für Reiseveranstalter und Hochzeitsplaner knipsen kann. Und Maik darf sich in meinem Glanz sonnen. Koitus vermeiden wir natürlich, darüber lässt sich schließlich schlecht snappen ohne wie ein Pornosternchen zu wirken. Maik wird schnell auch noch etwas konturiert und widmet sich dann seinen Liegestützen, während ich versuche mich für ein Outfit zu entscheiden. Was zieht die Influencerin von Welt für die Eröffnung eines Kinder-Yoga-Studios an? Auf jeden Fall was mit tiefem Ausschnitt, damit man meine Boobies sehen kann, das weckt mütterliche Assoziationen. Bevor wir aufbrechen füttere ich die Katzen noch schnell mit handgefangenem Bio-Thunfisch und Maik mit zwei Proteinriegeln.

#partytime #girlsquad #besties

the world according to natalie

Auf dem Weg zum Event genießen wir ein bisschen Quality time: Erst vor kurzem bekam ich eine höchst lukrative Anfrage von Buggaboo zwecks einer Zusammenarbeit, die ich ablehnen musste, weil ich kein Kind habe. Das muss sich schleunigst ändern. Maik ziert sich, aber ich werde mich wie immer durchsetzen. Ich habe schließlich 30k mehr Follower als der lebende Kleiderständer. Auf dem Event lächele ich huldvoll in die Runde. Küsschen rechts, Küsschen links, Snap, Foto, weiter! Maik mopst heimlich Fingerfood von den Platten, wenn er denkt, dass ihm niemand zusieht. Vielleicht brauche ich demnächst ein Instagram Husband Upgrade – ich mache mir eine geistige Notiz, das morgen in der Agentur anzusprechen. Dann widme ich mich meinem Glas Dom Perignon und meinem #girlsquad: Vier Social Media Sternchen, die sich aus tiefstem Herzen hassen und einander nicht mal den Orangensaft in den Wattebällchen gönnen. Aber weil #girlpower so gut zieht, bilden wir eine Zweckgemeinschaft zum Wohle von gut kuratiertem Content. Zwei Gläser Rose-Champagner säusle ich hinterfotzig „Voll schön, dass Du so positiv zu Deinem Body stehst, das sendet genau die richtige Message“ zum Abschied in die Runde, während ich meine durchtrainierten Bauchmuskeln hämisch zucken lasse.

#blessed #happylife #imsohappyicouldscream

Daheim kann ich mich vor Müdigkeit und Hunger kaum noch auf den Beinen halte, deswegen muss ich Maik mit einer Tube La Mer Gesichtscreme bestechen, mich ins Badezimmer tragen und mich abzuschminken. Als sich endlich ein 1,50 hoher Turm an Papiertaschentüchern und Wattepads neben mir türmt, bricht schon die Dämmerung an. Zeit sich von Maik ins Bett tragen zu lassen, auch wenn mich das zusätzlich eine Waschlotion von Aesop kostet. Schnell sage ich noch mein Mantra auf „Ich werde die nächste Gigi Hadid! Ich werde die nächste Gigi Hadid! Ich werde die nächste Gigi Hadid“ und gleite mit Gedanken an eine Modekollektion mit Tommy Hilfiger glücklich ins Land der Träume.

Photos by Roberto Nickson, Nik MacMillan, Tristan Gassert, Dmitriy Ilkevich, Pete Bellis, Heather Schwartz, Jesse Bowser, Lauren Roberts & David on Unsplash.

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Natalie ist seit 9 Jahren Wahlleipzigerin, Co-Gründerin der Leipziger Code Girls und Autorin des Buches “We Love Code”. Sie hört gerne aber nicht ausschlißelich traurige Powerballaden, liebt geschmolzenen Käse zu jeder Tag- und Nachtzeit und wünscht sich, dass jemand endlich die ultimative laufmaschenfreie Strumpfhose erfindet. SAY HI TO KOLUMNISTIN MARLA! Mehr von Natalie findet ihr hier:

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abgelegt unter leipzig the world according to natalie

Kommentare

  1. Ein winziges Detail hast du vergessen: das Makeup sieht nur bei perfekter Ausleuchtung und Blitzlicht toll aus. Ansonsten leuchtet die Nase wie eine Discokugel u der Bronzer wirkt wie einmal durch den Schlamm gerobbt. Aber wie verkauft man das positiv?! 😀😉

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