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so, tell me how long before the last one? and tell me how long before the right one?

Inmitten von Möbeln, Lampen und anderen schönen Dingen schweifen wir so ziemlich schnell von den eigentlichen Protagnisten des Nachmittags ab. Bei einem gemütlichen Kaffee und später sogar noch Törtchen vom Café Maître sitzen wir an der Richard-Lehmann-Straße im Januar eröffneten Ladengeschäft zusammen. Die Möbelkooperative Süd ist der Zusammenschluss von drei Leipziger Anbietern schöner gebrauchter Dinge. Tobias Pfützner, Anja Kösler und der Historiker Sascha Lange stehen hinter diesem Bündnis. Trotz unterschiedlicher Hintergründe verbindet alle die große Leidenschaft vom Möbel sammeln und dem Präsentieren der restaurierten Werke. Anja verschlägt es vom Chemnitzer Umland in den 90er Jahren nach Leipzig. Während der Leipziger Sascha als gelernter Theatertischler, ungelernter Musiker, motivierter Autor und promovierter Historiker mit dem Schwerpunkt Jugendkulturen tätig ist. Schon mal den Namen “Scherbelberg” gehört? Denn nach diesem Namen, wir kennen ihn wohl eher als den Fockeberg im Leipziger Süden, benannte Sascha vor Jahren seinen kleinen Möbelladen. Jetzt ein Teil der Möbelkooperative. Ähnlich wie das kleine Möbelgeschäft “Möbelkombinat & Raumstation” von Tobias und Anja. „Anfangs haben wir die Möbel für unsere eigenen vier Wände gesammelt. Doch wir fanden immer mehr dieser faszinierenden Designobjekte. So entstand die Idee, unsere Begeisterung in einem kleinen Möbelgeschäft mit anderen zu teilen“, erzählt Anja. Doch beim Blick zurück geraten wir schnell weg von den Designklassikern, denn mir stellt sich die Frage: “Wie war denn Leipzig eigentlich in den 90er Jahren?”. Allein in den zehn Jahren, in denen ich mittlerweile die Stadt seit 2008 kenne, hat sich viel verändert – aber wie war Leipzig davor, frage ich mich?

“Da war alles anders. Ich weiß nicht, ob du dich an den Slogan ‘Leipzig kommt’ erinnern kannst? Das war die erste Marketingkampagne der Stadt Leipzig. Über Leipzig in den 90ern könntest du Tage sprechen”, erzählt Sascha. “Es war lange Zeit für Außenstehende eine sehr uncoole, verfallende und schrumpfende Stadt. Der Verfall hörte mit dem Systemwechsel natürlich nicht 1990 auf. Es zogen viele Leute weg und wenige kamen nach. Zudem kommt noch das massive Nazi-Problem mit vielen Überfällen bis 1993 dazu, das durch, nennen wir es Handarbeit, zurückgedrängt wurde. Leipzig war immer eine Stadt, die dir das Gefühl gegeben hat, nicht nur Konsument zu sein, sondern dich auch einbringen zu können. Egal, ob als Lebemann, Künstler, in einer Kneipe oder im politischen Bereich. Jeder hat etwas gemacht”, erinnert er sich. Anja hingegen nimmt Leipzig zu dieser Zeit als frisch Zugezogene noch anders wahr und muss zu Beginn erstmal ankommen. “Ich kam vom Dorf. Für mich war Leipzig die große Stadt. Man sagte immer, dass die Stadt jeden aufnimmt aber ich habe schon ein paar Jahre gebraucht bis ich meine Szene und auch Freundeskreis gefunden habe”. Meine Ohren werden immer größer und ich lausche den Geschichten am Kaffeetisch, während Sascha von seiner Depeche Mode und The Cure-Phase erzählt. “Um das Leipzig-Gefühl in den 90ern nochmal einzufangen, musst du dir auch vorstellen, dass zu dieser Zeit 150.000 Menschen weniger in der Stadt gelebt haben. Es gab nur ganz wenige coole, subkulturelle Orte. Wenn du jemanden gesucht hast, dann bist du zuerst in die naTo, dann ins Beyerhaus und dann ins Markt9. Spätestens in der dritten Kneipe hast du alle getroffen. Als die Ersten dann nach Lindenau und Plagwitz gezogen sind, dachten wir schon: ‘Wie tapfer!'”, lacht Sascha.

Wie das in Leipzig so ist, beschließen Sascha, Anja und Tobias auf kurzen Wegen sich gemeinsam für ein eigenes, repräsentatives Möbelgeschäft zusammenzuschließen und entdecken dabei den alten Laden im Süden. Mit viel Fantasie können sie sich vorstellen wie das alte, leer stehende Versicherungsgeschäft im neuen Glanz erstrahlen kann und legen während der Bauarbeiten noch wahre Schätze frei. Die Möbelkooperative Süd zählt für die drei Freiberufler zum erweiterten Hobby und Austausch. Denn, wenn Sascha nicht gerade auf der Suche nach echten 60er Jahre Mid Century Stücken ist, tourt er mit seinem 2018 veröffentlichten Buch “Behind The Wall – Depeche Mode-Fankultur in der DDR” durchs Land. Anja steht hingegen auf der anderen Seite der Lesetische und organisiert sachsenweite Literaturprojekte wie zum Beispiel das Programm des Lesefestivals “Leipzig liest”. Die Freiräume dazwischen füllen sie gern mit dem Gedanken an neu restaurierte Möbelstücke, die sie über verschiedenste Quellen wie Wohnungsauflösungen oder private Angebote aufsuchen. “Irgendwas findet man immer!”, lacht Sascha. Doch so wie sie gefunden werden, stehen die Möbelstücke noch lange nicht im Laden. Jedes Teil wird in liebevoller Handarbeit aufgemöbelt. Die damals entstandenen Möbel der 50er, 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts – egal, ob Ost oder West, zeichnen sich durch ihre zeitlose Eleganz, Funktionalität und Langlebigkeit aus – Designklassiker, die jedem neuen Besitzer auch heute noch viele Jahre Freude bereiten soll. Dafür steht die Möbelkooperative Süd. Hüpf mal rein!

Was?
Möbelkooperative Süd
Scherbelberg // Möbelkombinat // Raumstation
Wann?
Dienstag von 16 bis 19 Uhr
Samstag von 11 bis 15 Uhr
und nach Vereinbarung
Wo?
Richard-Lehmann-Straße 47a,
04275 Leipzig & ebay Kleinanzeigen
Warum?
Wegen aufgemöbelter, zeitloser Designklassiker, die jeden Raum verschönern. Du magst qualitativ hochwertige Möbelstücke der Deutschen Werkstätten Hellerau, Stapelstühle von Drabert, einen Sekretär aus den 60er Jahren, Hängeleuchten von Peill & Putzler und Spuren von Bauhaus? Dann bist du in der Möbelkooperative Süd genau richtig!

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