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I try to sit still, but i can′t. the thoughts are running out of hand.

„Nie habe ich mir den Jahreswechsel so herbei gewünscht, wie dieses Jahr. Das ist aus zwei Gründen recht untypisch für mich, da der erste Januar auch immer bedeutet, dass mein Geburtstag vorbei ist. Und kommt mir jetzt nicht mir “Du hast immer Feuerwerk zu Deinem Geburtstag”, kann ich drauf verzichten, wie auf Fußpilz, aber das ist ein anderes Thema. Zum anderen bedeutet mir ein Jahreswechsel auf rein rationaler Ebene nicht viel, weil es dann doch einfach so weitergeht wie vorher. Aber dieses Jahr war es anders. Gebannt schaute ich auf die Uhr und zählte die Minuten. Warum? Weil dann dieses elendige Jahr der Schlange endlich zu Ende sein würde und 365 Tage im Zeichen des Pferdes auf mich und uns warten. Dann gehts nach vorne, dann wird auch mal einfach so mit viel Anlauf und ohne großes Aufhebens über ein Hindernis gesprungen und vielleicht auch einfach mal bisschen entspannt auf einer Koppel gestanden.

Endlich vorbei, dieses reptiloide Häuten, das Winden, das einmal lecker Schmackofatz pro Quartal und dann nichts mehr. Für mich persönlich konnte sich 2025 nicht entscheiden, ob es nun eine Würgeschlange ist oder mich durch langsam wirkendes Gift zur Strecke bringt. Ich glaube, ich hatte da leider einen Hybriden aus beidem erwischt. Zum Jahresende habe ich irgendwelche Wünsche erst auf Papier geschrieben, dann verbrannt und die Türschwelle mit Zimt bestreut, alles in der Hoffnung, dass Besserung eintritt. Als meine Freundin S. mir mitteilte, dass sie ihre Kristalle noch auf den Balkon stellen müsse, bin ich ausgestiegen. Kurz vor meinem Geburtstag wollte ich einfach nur, dass die Schlange ihre Zähne nochmal in meinen müden, vom Gift gelähmten Kadaver rammt oder ein letztes Mal ganz feste drückt. Kurzum: ich durch, aber am Ende des Tunnels sah ich ein weiß leuchtendes Ross energetisch durch die Landschaft preschen.

Aber je mehr ich darüber nachdenke, ploppen mehr Fragezeichen in meinem Kopf auf als Sektkorken an Silvester. Zum einen musste ich in den ersten Tagen des neuen Jahres schmerzlich erfahren, dass dieses verdammte Jahr des Pferdes erst am 17. Februar los galoppiert und wir alle noch sechs Wochen des Rumkriechens entgegensehen. Und zum anderen treibt mich folgende Frage schwer um: Was wird es denn wohl für ein Pferd sein, auf dessen Rücken ich die nächsten 365 Tage bestreiten werde? 

Und zum anderen treibt mich folgende Frage schwer um: Was wird es denn wohl für ein Pferd sein, auf dessen Rücken ich die nächsten 365 Tage bestreiten werde?

Entgegen meiner Cousinen bin ich kein Pferdemädchen. Ich hätte es werden können, denn es gab in meinem Leben genau einen Wunsch, den ich direkt, ohne Diskussionen und Umwege erfüllt bekommen habe: ein eigenes Pony. Hatte ich wegen des gewünschten Nasenpiercings monatelang vergeblich diskutieren müssen, stand da auf einmal ein Schimmel im Stall. Da hab ich aber geguckt. Es hieß Vicky, war trächtig und wie mein Opa Zeit seines Lebens sagte, „ein richtiger Verbrecher”, denn das waren laut ihm 99 Prozent aller Ponys und das völlig genderneutral. Als Landwirt und Pferdemensch musste er es einfach wissen. Vicky war anscheinend genauso überrascht von mir und hatte keinerlei Ambitionen, mein vagen Wunsch nach einem Dasein als Pferdemädchen zu unterstützen. Vielleicht wusste sie insgeheim, dass ich lieber das Nasenpiercing gehabt hätte. Was ich sagen will, wenn 2026 so wird wie Vicky, bin ich geliefert. Man denkt ja bei einem Pferd eher an so etwas dynamisches mit glänzendem Fell und langer Mähne. Ein majestätisches Ross, das sich angstfrei jeder Schlacht stellt. Das elegant ist, ein bisschen Attitude hat, die aber immer verziehen wird, denn schließlich trägt man ja das gesamte Glück der Erde auf seiner Wirbelsäule. Niemand denkt da an ein neurotisches Shetlandpony, dessen spröde Mähne ihm ins Gesicht hängt und das von den großen Exemplaren von oben betrachtet wird. Auch das ist ein Pferd. Esel gehören auch zur Familie der Equidae, aber ich bin unsicher, wie trennscharf die Spiritualität hier abgrenzt. Zebras im Übrigen auch. 

Wenn ich mir ein Pferd für 2026 wünschen dürfte, dann wäre es ein Friese – allein schon wegen der Mähne und der imposanten Eleganz. Würde mich mal interessieren, wie die Haarroutine für eine solch wallende Haarpracht aussieht. Darüber hinaus lassen sich Friesen nicht aus der Ruhe bringen, sind absolute Arbeitstiere und auch ein bisschen eigen, aber gesellig. Das würde mir gefallen. So würde ich gerne mein 2026 verbringen. Aber wie meine Mama immer sagt “wünschen kann man sich alles, ob es in Erfüllung geht, ist eine ander Sache” mache ich mich für das Shetlandpony bereit und werde es lieben, ihm die Mähne pflegen und es sicher über jedes Hindernis führen, das sich uns in den Weg legt.“

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@uhliese

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